Bandscheibenverschleiss- oder Degenerationsprozesse im Bereich der Wirbelsäule sind ein normaler Vorgang. Bandscheibenbedingte Erkrankungen sind weit verbreitet. Nach Untersuchungen von Small, Coventry und Hirsch hat sich gezeigt, dass nach dem 30. Lebensjahr jeder Mensch degenerative Veränderungen an seinen Bandscheiben aufweist. Nach den Statistiken der Krankenkassen und Rentenversicherungsanstalten der Bundesrepublik Deutschland erfolgen 20% aller krankheitsbedingten Arbeitsniederlegungen und 50% der vorzeitig gestellten Rentenanträge wegen bandscheibenbedingter Erkrankung. Nach Untersuchung von KNEPEL sucht jeder 10. Patient in einer Allgemeinpraxis den Arzt wegen bandscheibenbedingter Erkrankung auf. In einer Orthopädischen Poliklinik wird dritte, beim niedergelassenen Orthopäden sogar jeder zweite Patient wegen Wirbelsäulenproblemen vorstellig. 93% aller Wirbelsäulenerkrankungen betreffen die Bandscheiben, die restlichen 7% verteilen sich auf Skoliosen, Osteoporose usw.. 68% der Patienten finden sich zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr, der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 40 – 50. Lebensjahr.
Die Bandscheibe
Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben, die aus einem harten Ring (Anulus fibrosus) und einer gallertartigen Innenmasse (Nucleus pulposus) bestehen. Die Bandscheibe ist nicht an das Blutzirkulationssystem angeschlossen. Sie nimmt in Ruhe und nachts Gewebewasser auf und gibt dieses im Laufe des Tages wieder ab. Aus diesem Grunde ist man am Morgen größer als am Abend. Eine gesunde Bandscheibe besitzt ein großes Wasserbindungsvermögen, eine verschleißbedingt erheblich veränderte Bandscheibe kein Wasserbindungsvermögen mehr. Nur die prallelastische Bandscheibe ist aber in der Lage, allfällige Bewegungen und Belastungen vollständig abzufangen. Vergleichen kann man dies mit einem Autoreifen, der auch nur im aufgeblasenen Zustand seine Funktion erfüllt, im Falle einer unzureichenden Auffüllungen aber Bewegungen über das normale Maß hinaus zulässt. Mit zunehmendem Alter und abnehmender Aktivität erfährt das elastische Gewebe der Bandscheibe einen Verlust an Flüssigkeit. Dadurch wird die Bandscheibe dünner und schwächer und ist ihrer Aufgabe als Stoßdämpfer nicht mehr so gewachsen wie früher.
Bandscheibendegeneration
Beim Vorliegen eines zunehmenden Höhenverlustes kommt es zu einer segmentalen Mehrbeweglichkeit oder Instabilität. Zudem werden die Wirbelbogengelenke mehr belastet, da sie durch den Bandscheibenhöhenverlust einen Teleskopeffekt erfahren. Es kommt in der Folgezeit zu der Entwicklung der nachfolgenden Mechanismen:
1. Rückenschmerz durch vermehrte Belastung der Wirbelbogengelenke.
2. Fehlstellung des Bewegungssegmentes mit Schmerzen.
3. Entwicklung von Bandscheibenvorfällen.
4. Mehrsegmentaler Befall: Fehlstellung des Wirbelsäulenabschnittes mit Schmerzen.
5. Fehlstellungsbedingte Verlagerung der Belastungssituation mit Schmerzen.
6. Größenwachstum der Wirbelbogengelenke mit Entwicklung einer spinalen Stenose.
7. Steilstellung der Hals- oder Lendenwirbelsäule: Schmerzen.
8. Bandscheibenverlust mit direktem Kontakt der aufeinandersitzenden Wirbel.
9. Entwicklung von Rotationsfehlstellungen mit Wirbelsäuleninstabilität mit neurologischen Ausfällen.
10. Massive Kreuzschmerzen mit Reduktion der Mobilität und Reduktion der Wegstrecke.
In der klinischen Diagnostik beurteilt man die Funktion der Wirbelsäule und das Gangbild. Die neurologische Untersuchung ergibt in den meisten Fällen keinen pathologischen Befund. Die Bewegungsprüfung der Hals- oder Lendenwirbelsäule ist häufig der erste Hinweis auf eine Degeneration. Eine massiv eingeschränkte Beweglichkeit mit Schmerzen bei Drehbewegungen weist auf eine Beteiligung der Wirbelbogengelenke hin. Zusätzlich zeigt sich bei der Überprüfung der Hüftgelenksbeugung eine erhebliche Schmerzsituation im Lendenwirbelsäulenbereich. Unerlässlich ist die neurologische Untersuchung.
In der Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule zeigen sich deutliche Hinweise auf knöcherne Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule in Verbindung mit Bandscheibenerniedrigungen. Zusätzlich besteht eine Verschleißerkrankung der Wirbelbogengelenke, oft mit Entwicklung einer Spondylolisthesis.
Am häufigsten sind die Segmente L 4 / 5 und L 5 / S 1 betroffen.
Weiterführende Untersuchungsverfahren, die eine Schichtuntersuchung der Wirbelsäule gestatten, sind die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie (MRT), wobei das letztgenannte Verfahren die Methode der Wahl ist, da es nicht nur den Knochen, sondern auch die Bandscheiben sowie die Nervenstrukturen sehr gut zur Abbildung bringt, ohne dass eine Strahlenbelastung besteht. Nach MODIC werden die bei den Deckplatten gelegenen, degenerativen zystischen Aufhellungen in verschiedene Formen umschriebener, gut abgegrenzte Bezirke unterteilt.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung dient der Reduktion von Schmerzen und möglicher Schwellung im Spinalkanal. Wirksame Maßnahmen sind z.B.:
Invasive Infiltrationstherapie
Die Infiltrationsbehandlung setzt am Krankheitsorgan, der Wirbelsäule, an. Verwendet werden:
Physikalische Therapie
Die krankengymnastische Therapie dient einer Stabilisierung der Wirbelsäule durch ein entsprechendes Muskelaufbautraining. Ihre Wertigkeit muss aber beim Vorliegen deutlicher Veränderungen als eingeschränkt bezeichnet werden.
hier Infos zur operativen Therapie von Degenerationsprozessen